Bell Etage
Eigentlich geht es um Sex. Oder um Einsamkeit. Auf der einen Seite stehen Elvis Presley und James Brown, auf der anderen Seite (der dunkleren) steht neben vielen anderen Bands auch Bell Etage - gut, dass dort genug Platz ist, finstere Ecken gibt es genug. Unser Mojo strebt durch Verästelungen an die Oberfläche. Die Musik schafft es gar nicht anders als ein wenig gebrochen ans Licht, die Botschaft kann nur verschleiert ausgesprochen werden. Wir nehmen den weitest möglichen Umweg. Die Songs zimmern wir aus den Beobachtungen von dort draußen, und sie sind wie Boten, die mit unklaren Anweisungen auf den Weg geschickt werden. Wir haben nur diese eine Etage, und warum sie dann nicht auch schön finden? Das ist die eigentliche Kunst.
Aktuelle CD: „we carried the sunlight down to the day“/pump23/2007
Hotel Prestige
Jede und jeder hat diese Vornehmheit. Versteckte Zimmer in unbekannten, im Lift nicht angeschriebenen Stockwerken, wo sich in unscheinbaren Holzkisten in Geheimschränken kleine, in Kaugummipapier eingewickelte Schmuckstücke verbergen. Des Hotels Ziel und Hoffnung ist es, sich bis dorthin durchsingen und durchspielen zu können. Den Super-Spezial-Lack der alltäglichen Melancholie und Bedeutungslosigkeit mit Musik abzukratzen, zumindest an ein paar Stellen, um so was wie unalltägliche Berührtheit zustande zu kriegen, eine Verbindung mit irgendeiner herzzerreißenden - oder noch besser: herzzusammenkittenden Schönheit. Die persönlichen Kronjuwelen.
Das Hymnenartige in der Hotelmusik soll dabei nicht Zeichen einer Flucht in was auch immer für ein Klischee sein (niemand soll Angst haben, dass es nur diese 1, 2 Zimmer, mit diesen 3, 4 Schubladen gibt) – das Hotel streift die heile Welt nur am Ärmel, es hat eben diese tausend Geheimtüren, Schlupflöcher, doppelten Böden, Gucklöcher und in Bücherkästen eingebauten Wendeltreppen. 1000 ist ein wenig hochgegriffen vielleicht, aber genaue Zahlen dringen da wie bei der Cola-Rezeptur nicht an die Öffentlichkeit.
Die mangelnde Scheu vor Melodien - vor fast allem, das die Küchenmädchen so vor sich hin pfeifen und vielleicht wie das abgedroschenste, klassischste, einfachste, scheinbar 2000 Mal gehörte Rocknümmerchen, Countrystücklein oder Lagerfeuerliedchen klingt – hat Hotel Prestige mit Bryan Adams, Eros Ramazotti und der gesamten, weltumspannenden Pop- und Schlagerszene gemein, darum ist es der Hotelcrew um so wichtiger, die Unperfektheit der Welt in keiner Sekunde aus dem Blick zu verlieren, keine Abkürzung zuzulassen, den Weg in seinem Kurvenreichtum, seiner Verschlungenheit, seiner Undurchsichtigkeit, seiner zeitweisen totalen Abwesenheit zu akzeptieren, zu verstehen, zu bejubeln, zu beklagen, was auch immer, ob Neben- oder Hauptsaison.
Es ist noch nie jemand an Hotel Prestige herangetreten, die Hymne für die nächste Fußballeuropameisterschaft zu schreiben, was die Belegschaft mit gewissem Stolz erfüllt. Und mit dem Gefühl, dass die Welt manchmal Verständnis hat und dass die heile Welt nie die ganze Macht an sich nehmen kann, auch nicht in 3000 Jahren. Hotel Prestige will keine unverstandene Band sein. Hotel Prestige will Würde. Hotel Prestige will die Juwelen zurück.
Smuggle Goods into the Country
Wenn die großen, einsamen Kakteen in den harten, brennenden Wüsten weinen, dann weiß man: Smuggle Goods haben einen kräftigen Schluck aus der Whisky-Pulle riskiert, die Gitarren ausgepackt, das Schlagzeug aufgestellt und legen los mit ihren Songs voll trauriger Storys, die aus unseren Leben die letzte Hoffnung austreibt.
Aber wenn der Soundtrack zu den Katastrophen des Lebens so schön ist wie bei den Schmugglern, dann – Goddamit! – wollen wir noch mehr von Leid und Tragik, und wir ertragen sie mit der stoischen Coolness eines Clint Eastwood, der sich mit Hank Williams im räudigen „Saloon of Lost Souls“ das letzte Glas Schnaps und das ausgebrannte Dancegirl teilt.
andreas dauböck - voc, guit;
martin tiefenthaler - voc, guit, percussion;
gerold voglauer - bass, harp;
stefan wimmer - drums, percussion;
www.myspace.com/smugglegoodsintothecountry
Bell Etage
Hotel Prestige
Smuggle Goods Into The Country